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Friede und Freude ?

30. Dezember 2011, 13:05 Uhr von Uwe Ewald
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Mein Versuch, ihr den Verwandtenbesuch schönzureden, verpuffte. Nach bald einem Jahr familiärer Besuchslosigkeit hatte Frau Radibor selbst zu Weihnachten niemanden mehr erwartet. Statt nun mit besonderer Freude auf das seltene Ereignis zu reagieren, schob sie die Gedanken daran lieber beiseite. Von Belang waren dagegen die hilfreiche Voltaren-Einreibung am Fuß, unser Trick mit dem Schalter der Leselampe und Erinnerungen an früher. Stoff zum Nachdenken für mich. Ergebnis : Mögen all jene, die sich nur zu speziellen Anlässen ihrer ‘Lieben’ besinnen, besser darauf verzichten. Für einen de facto Vergessenen ist ein so seltener Besuch zwar das Ende, aber zugleich wieder der Anfang der seelischen Einsamkeit. Wie soll man sich darüber freuen ?!
Daß es auch anders geht, erlebe ich Woche für Woche. In vielen Heimen warten vergessene Menschen. Wer etwas Zeit und Herz investiert kann es schaffen, ihnen willkommen und nahe zu sein. Und das fühlt sich fast immer wie Weihnachten an.

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Nicht geschaltet

19. Dezember 2011, 19:22 Uhr von Uwe Ewald
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Frau Radibor würde gern Selbstknipserin sein. Wenn eine Leselampe da ist, möchte man sie ohne personelle Hilfe ein- und ausschalten können. Mit dem viel zu kurzen Schalterkabel wird’s jedoch schwierig. Da hilft nur die Notklingel. Deren Kabel ist zum Glück lang genug. Zufriedenstellend ist das für alle Beteiligten nicht. Und man fragt sich, haben Hersteller und Händler diese Pflegebett-Leselampe je in einem Heim ausprobiert ? Wohl kaum. Sonst hätte ihnen auffallen müssen, daß es einem auf dem Rücken liegenden Pflegebedürftigen so gut wie unmöglich ist, an den hinter seinem Kopf hängenden Schalter zu kommen. Viele Grüße aus der Realität !
Doch manchmal führt Ärger zu einer guten Idee. Mit einer an das Kabel geknüpften Kordelschnur kann Frau Radibor sich den Schalter in Griffweite ziehen. Schon beim ersten Versuch funktionierte es. Provisorische Freude. Vielleicht hat auch jemand vom Hersteller eine Idee, und wird so für viele zum Weihnachtsmann …

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Apfeladvent

12. Dezember 2011, 19:30 Uhr von Uwe Ewald
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Ist in der Adventzeit von Äpfeln die Rede, sind wohl oft Bratäpfel gemeint. Doch bei uns machten Pferdeäpfel das Rennen. Frau Radibor hört manchmal Hufgeklapper unter dem Fenster. Das stamme von Pferdekutschen, hatte man ihr gesagt. Für die Touristen. Da wäre sie gerne mal mitgefahren. Aus ihrer Sicht wünschenswert, nur als Dresdner hält man weniger von dieser geruchsintensiven Romantik. Sie schmunzelte, war in der Kutschenzeit aufgewachsen. Außerdem wußte sie über den Nährwert der Rückstände Bescheid. Für Mutters Blumen im Garten. Die Dorfstraße hielt fast immer den natürlichen Dünger bereit, der mit Schaufel und Besen von den Kindern heimgeholt wurde. Lange ist’s her, und sie dachte an beides gern. An den Pferdealltag und die Bratapfelromantik.

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Dunkelstunde

3. Dezember 2011, 20:50 Uhr von Uwe Ewald
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Die späte Novembersonne hatte die sonst triste Fassade des gegenüberliegenden Hauses mit rotgoldenen Farben geschmückt. Frau Radibor genoß diesen seltenen Anblick. Er brachte auch ohne Schnee etwas Zauber in den Advent. Die aufkommende Dunkelheit tat im Zimmer das ihre dazu. Wenn das pflegerische Umfeld allmählich verschwimmt, ist die Brücke zu den schönen Kindertagen schnell überschritten. Frau Radibor erinnerte sich an ein Ritual ihrer Eltern. Nach getaner Arbeit setzten sie sich zu ihrer ‘Dunkelstunde’ zusammen. Der vergangene Tag wurde ausgewertet, der neue geplant. Oft saßen die Kinder dabei. Später durfte eines die Petroleumlampe anzünden … Ruhe und Harmonie sprachen aus ihr. Und ich dachte im Stillen, wie könnte das heutzutage noch funktionieren ?! Ohne die Herrschaft der Technik hatten die Menschen sich selbst.

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